Innovationen

Das Wundergras

Heft 05, 2020

Das Wundergras

Yogesh Shinde |Autor

Heft 05, 2020


Bambus ist seit Jahrhunderten untrennbar mit der indischen Kultur verwoben. Die von Premierminister Narendra Modi geführte Regierung will Indiens Position auf dem globalen Bambusmarkt durch Programme stärken, von denen nicht nur die Produzenten profitieren, sondern die auch Kunsthandwerkern einen Anreiz bieten, ihre Kunst auf dem städtischen indischen und internationalen Markt zu präsentieren

Bambus wird oft als ‚grünes Gold‘ bezeichnet und ist untrennbarer Teil des indischen Kulturerbes. Es ist ein Lebensmittel und wird im Bauwesen benötigt, wodurch es unbedingt zum indischen Alltag gehört. Dieses vielseitige Gras wird unter anderem für die traditionelle Herstellung von Spielwaren, Körben und Betten und die Produktion heutiger Alltagsgegenstände wie Zahnbürsten, Stifte, Tastaturen, Armbanduhren und Lautsprecher verwendet. Die indische Regierung hat die Vielseitigkeit dieser Pflanze und ihre Bedeutung für die Entwicklung der ländlichen Wirtschaft erkannt und verschiedene Maßnahmen ergriffen, um ihren Anbau zu fördern.

In seiner Rede ‚Mann ki Baat‘ im Juli 2020 betonte der indische Premierminister Narendra Modi die Vorzüge von Bambusprodukten, die in den nordöstlichen Bundesstaaten Assam, Tripua und Manipur hergestellt werden, und rühmte die Kunsthandwerker. Bambusbasierte Produkte tragen nicht nur zur indischen Wirtschaftsleistung, sondern auch zur ‚Make in India‘ Kampagne des Premierminister und zu Aatmanirbhar Bharat Abhiyan bei.

Der indische Premierminister Narendra Modi (zweiter von rechts) im Gespräch mit Bambusunternehmern bei einer Ausstellung in Neu Delhi im Jahr 2018 anlässlich des Weltumwelttages (5. Juni)

Ein großer Schritt

Eine der wichtigsten Maßnahmen, welche die von Premierminister Modi geführte Regierung zum Nutzen der Bambusproduzenten ergriffen hat, ist die Ergänzung des Indian Forest Act von 1927, in dem der Bambus als Baum gekennzeichnet war. Nach dieser Ergänzung wird Bambus nunmehr als Gras bezeichnet. Diese Korrektur aus dem Jahre 2016 beseitigte einige Einschränkungen, die den Bambushandel und -transport beeinträchtigten. Jetzt dürfen Bambusproduzenten ohne komplizierten Passierschein ihre Erzeugnisse überall durchs Land transportieren.

Eine Gruppe Volkskünstler aus Nagaland bei einem Bambustanz

Die Regierung startete in 2018/19 die neu strukturierte Nationale Bambusmission (NBM) für eine ganzheitliche Entwicklung des Sektors. Die Mission wird mit dem Hauptziel umgesetzt, die Produzenten miteinander zu vernetzen und die Lieferungen von geeignetem Rohmaterial für die inländische Industrie zu steigern. Im Rahmen der Mission wurden Maßnahmen ergriffen, um die Verfügbarkeit von hochwertigem Pflanzmaterial zu erhöhen, indem die Einrichtung neuer Pflanzenschulen gefördert und bereits bestehende gestärkt werden. Damit einher gehen Kapazitätsaufbau und Schulungsprogramme, um die Fähigkeiten von Kunsthandwerkern zur Herstellung von Mehrwertprodukten zu fördern, welche auf dem städtischen indischen und dem globalen bestehen können.

Unterstützung unabhängiger Bauern

Bei PM Modis Vision zur Verdopplung der bäuerlichen Einkommen bis 2020 kann Bambus ganz klar helfen. Auch durch die Gesetzesentwürfe, die sicherstellen, dass Bauern für ihre Erzeugnisse einen besseren Preis erhalten, ohne den Regulierungen des landwirtschaftlichen Markts unterworfen zu sein, haben Bambusproduzenten ohne große Anstrengungen einen zusätzlichen Vorteil.

Am 27. Juni 2019 verabschiedete die Regierung von Maharashtra das Programm Atal Bamboo Samriddhi, das die Lieferung von Gewebekultur-Bambussetzlingen an (circa) 750 Bauern in jedem Distrikt des Bundesstaats zu subventionierten Preisen vorsah. Hierfür hat die Bundesstaatsregierung 250 Millionen INR veranschlagt.

Kunsthandwerker stellen auf einer Messe in Kolkata Alltags- und Aufbewahrungsgegenstände aus Bambus her

Vor kurzem eröffnete der Unionsminister für Landwirtschaft und Bauernfürsorge, Narendra Singh Tomar, 22 Bambuszentren in neun Bundesstaaten (Madhya Pradesh, Gujarat, Maharashtra, Odisha, Assam, Nagaland, Tripura, Uttarakhand und Karnataka) und erklärte, dass das Land nun das Ziel verfolgt, die Exporte von Bambusprodukten zu steigern: „Die Unterstützung des [NBD] für örtliche Kunsthandwerker durch regional angebaute Bambusarten wird das Ziel ‚Vocal for Local‘ unterstützen, das Einkommen der Bauern erhöhen und die Abhängigkeit von Importen mindern“. Mit der Fülle an Bambus in Indien und einer wachsenden Industrie solle Indien darauf abzielen, sich auf den globalen Märkten mit seinen technisch entwickelten und handgemachten Produkten zu etablieren, fügte er hinzu.

Im Oktober 2020 wurde ein unabhängiges Gremium eingesetzt, um den Bambussektor durch Förderung des Unternehmertums und Handels mit Bambusprodukten anzukurbeln. Das India Bamboo Forum war eine Idee des ehemaligen Unionsminister Suresh Prabhu und soll eine Gruppe von 55 Führungspersönlichkeiten aus dem Sektor zusammenbringen. Der ehemalige Minister meinte, dass die Bambusindustrie in Indien in den nächsten fünf Jahren positive Auswirkungen auf vier Millionen Bauern und rund 1,5 Millionen Bambusunternehmer haben kann.

Die indische Regierung hat diverse Maßnahmen ergriffen, um den Bambussektor mit dem Ziel der Unterstützung eines nachhaltigen Lebensunterhalts und der Reduzierung des Klimawandels weiterzuentwickeln. Mit den Anreizen und der Unterstützung der Regierung für die Förderung, den Anbau und die Produktion von Bambus und mit der Arbeit der Unternehmer ist Indien auf einem guten Weg, um seine Position auf dem weltweiten Bambusmarkt zu stärken und eine sauberere und grünere Nation zu werden.

Yogesh Shinde

Yogesh Shinde is an agricultural entrepreneur working towards popularising bamboo and the varied products that can be made with the wonder grass. He is the founder of Bamboo India, a venture that not only manufactures sustainable bamboo products but also employs farmers from the villages of Velhe, Bhor, Panshet and Mulshi, all adjacent to Pune.
error: Content is protected !!