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Glänzende Aussichten für indische Tech-Start-ups

Heft 01, 2021

Glänzende Aussichten für indische Tech-Start-ups

Aashish Chandorkar |Autor

Heft 01, 2021


Unterstützt durch schnelle Digitalisierung, Technik-Affinität und eine liberale Regierungspolitik verzeichnet die indische Technologie-Start-up-Szene eine imposante Wachstumskurve. Der nächste Schritt ist die weltweite Expansion, meint der Autor und Politikexperte Aashish Chandorkar

Ein zentraler Grundsatz für die wachsende Zahl an Unternehmen in den letzten Jahren lautete, Arbeitgeber in der Wirtschaft zu unterstützen und zu fördern. In Anbetracht der schnell wachsenden Zahl an Arbeitskräften in Indien ist es entscheidend, dass risikofreudige Unternehmer der ersten Generation, die in Indien starke, globale Unternehmen aufbauen wollen, Arbeitsplätze schaffen. An vorderster Front stehen hier Tech-Start-ups.Es gibt weltweit 500 Einhörner. So werden Tech-Start-ups mit einem Firmenwert von mehr als einer Milliarde US-Dollar genannt. Hiervon sitzen derzeit 44 in Indien – rund neun Prozent. Zwölf dieser Einhörner haben es 2020 in die begehrten Bewertungsbenchmarks geschafft.Die Fähigkeit zu wachsen und die Eignung des eigenen Geschäftsmodells zu demonstrieren sticht bei indischen Start-ups hervor. Die 44 Tech-Start-ups werden mit mehr als 106 Milliarden US-Dollar bewertet. Um dies in eine richtige Perspektive zu setzen: die Marktkapitalisierung der nationalen Börse beträgt 2,7 Milliarden US-Dollar. Den 44 Top-Technologiefirmen wird bereits ein Wert zugeordnet, der vier Prozent der Old Economy ausmacht, und manche sind aus eigener Kraft zu globalen Playern geworden.

Indian technology start-up innovators are now diversifying to such professional areas as commercial logistics, merchant automation, and construction management
Innovative indische Tech-Start-ups sind heute auf diversen Feldern wie Handelslogistik und Baumanagement zu finden

Diese 44 Unternehmen haben direkt oder indirekt 1,5 Millionen Jobs geschaffen – viele davon im Gig-Economy-Sektor (einem Teil des freien Markts, in dem es häufig temporäre Beschäftigungen gibt und Freiberufler oder Arbeiter für kurze Zeit beauftragt werden). Dies kommt direkt denjenigen Jobsuchenden entgegen, die vielleicht nicht die beste Ausbildung haben, aber bereit sind, engagiert zu arbeiten, um ihren Lebensstandard und den ihrer Familie zu verbessern.Es dürfte keine Überraschung sein, dass sich die indische Start-up-Szene so gut entwickelt. Die geistigen Köpfe hinter einigen der weltweit größten Technologieunternehmen stammen oft aus Indien. Diese ‚Brainpower‘ führte noch vor einigen Jahren häufig direkt ins Ausland. Heutzutage suchen viele ihre Chancen im Inland und finden sie auch.Der Zugang zu Kapital verbessert sich rasch für indische Start-ups. Da die Welt aufgrund der lockeren Geldpolitik der weltweiten Zentralbanken von Liquidität überflutet wird, zieht Indien große Investitionen an. Dies zeigt sich alljährlich in den steigenden ausländischen Direktinvestitionen (FDI), für die Indien zu den begehrtesten Zielen zählt.

Laut dem NASSCOM-Zinnov-Bericht über die ‚Indische Tech-Start-up-Szene‘ wurden von 2014 bis 2019 überwältigende 8.900 – 9.300 Start-ups gegründet

Der nächste Schritt für indische Tech-Start-ups ist die weltweite Expansion und die Eroberung neuer Märkte. In Anbetracht des indischen Markts, der nicht einfach nur groß, sondern auch divers ist, was das Verbraucherverhalten angeht, geht es bei der nächsten Stufe nur um das Wann und nicht um das Ob.Um indischen Start-ups eine Plattform zu bieten, wie sie ähnliche Firmen anderswo haben, hat die Abteilung für die Förderung von Industrie und Binnenhandel (DPIIT), die dem Handels- und Industrieministerium zugeordnet ist, im Januar 2021 eine Konferenz organisiert mit dem Titel Prarambh: Startup India International Summit.Dieses zweitägige Gipfeltreffen wurde von verschiedenen Teilnehmern aus den BIMSTEC-Ländern besucht. BIMSTEC (Bay of Bengal Initiative for Multi-Sectoral Technical and Economic Cooperation) ist eine Wirtschaftsplattform, auf der Indien aktiv ist. An dieser Veranstaltung nahmen Investoren, Wissenschaftler, Entscheidungsträger und Start-up-Vertreter aus verschiedenen Mitgliedsnationen teil.Derartige globale Plattformen sind wichtig in der Region, da viele Länder sich wirtschaftlich ähnlich entwickeln, ebenso wie das Verbraucherverhalten. Die Erfahrungen, die ein großes Land wie Indien macht, lassen sich relativ gut auf andere Märkte übertragen, ebenso wie möglicherweise auch der Erfolg Indiens. Einige Produktivitätsprogramme werden auch bereits in anderen Ländern der Region umgesetzt. So bieten derartige Plattformen indischen Start-ups Gelegenheit, die Lage für geografische Expansionen zu sondieren.In dem kürzlich vorgestellten Unions-Haushaltsplan gestattet es die Regierung indischen Firmen, sich im Ausland zu registrieren, ohne dies zuvor in Indien zu tun.

Die indische Wertpapierregulierungsbehörde arbeitet daran, sicherzustellen, dass Firmen, die im Ausland Kapital aufnehmen, nicht der doppelten Gerichtsbarkeit und Regulierungen unterliegen.In der jüngsten Vergangenheit haben sich die Tech-Start-ups diversifiziert. Während die anfängliche Einhornwelle aus FinTech-Unternehmen und Verbraucher-Apps im Bereich Essen und Mobilität bestand, gehen die aktuellen Erfolgsgeschichten weit darüber hinaus. Technische Innovationen erfolgen nun in Bereichen wie kommerzielle Logistik, Automatisierung des Handels, Baumanagement und Gesundheitsversorgung.Diese Veränderung ist auch wichtig für die indische Wirtschaft als Ganzes. Neue Akteure betreten den Markt und stellen eine Herausforderung für traditionelle Unternehmen dar, die darauf reagieren müssen. Dies führt zu neuen Investitionen in Forschung & Entwicklung, was im Gegenzug die wirtschaftliche Produktivität fördert und für höhere Löhne sorgt. Mit gut ausgebildeten Arbeitskräften, die perfekt in die globale Arbeitsweise integriert sind, und einer jungen Generation, die mit der mobilen Technologie vertraut ist, sind die indischen Start-ups auf dem Wachstumspfad. Einige dieser Akteure werden aus eigener Kraft zu national und global führenden Unternehmen werden.

Aashish Chandorkar

Aashish Chandorkar writes on public policy, politics and current affairs. He takes interest in business, sports and technology, and has authored a book on Devendra Fadnavis, the former chief minister of Maharashtra, titled The Fadnavis Years. He holds an MBA from IIM Calcutta and a Bachelor of Engineering degree from Indore University.
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