Sport

Die richtige Aufstellung

Heft 04, 2020

Die richtige Aufstellung

Arjun Pandit |Autor

Heft 04, 2020


Aufgrund der Weltmeisterschaften der Junioren in Indien (2017 der Männer und 2021 der Frauen), der Straffung der Profiligawettkämpfe im Inland und der verbesserten Infrastruktur erlebt der Fußball in Indien einen Aufschwung

Sepp Blatter, der ehemalige Präsident der FIFA ((Fédération Internationale de Football Association), des internationalen Fußballverbands, nannte Indien einst den „schlafenden Riesen“ des Fußballs. Sein Kommentar sprach vielen im Land aus der Seele, die den Eindruck haben, dass Indien mit seiner weltweit zweitgrößten Bevölkerung in der beliebtesten Sportart der Welt unterrepräsentiert ist. Zwar ist es zutreffend, dass der Fußball in diesem Cricket-verrückten Land nicht in der Breite erfolgreich war, aber er entwickelte sich in einigen Bereichen des Landes doch recht positiv. In Kolkata, Pune, Goa, Srinagar und Teilen des Nordostens steht Fußball an erster Stelle. Kritische Stimmen mögen einwenden, dass dies schrumpfende Segmente sind und die Nationalmannschaft auf dem internationalen Feld keinerlei Erfolge vorzuweisen hat, aber langsam findet eine Revolution auf dem Platz statt. In den letzten fünf Jahren hat sich der Fußball in Indien enorm weiterentwickelt.

Einer der wichtigsten Faktoren für die wachsende Fangemeinde sind die Weltmeisterschaften, die in Indien stattfinden. Das U17-Team maß sich bei der WM 2017, die erstmals in Indien stattfand, mit den besten Mannschaften der Welt, was erheblich zu dem Phänomen beitrug. Nach dem erfolgreichen Abschluss der großen Veranstaltung fand in dem Sport, ebenso wie bei allem, was damit einhergeht, ein großer Infrastrukturwandel statt. Die jungen indischen Teams profitieren davon, wenn sie sich bei internationalen Sportereignissen mit den besten der Welt vergleichen. In den U17-Spielen traten die jungen indischen Spieler gegen Kolumbien, Ghana und die USA an.

Indien wird darüber hinaus die U17-Weltmeisterschaft der Frauen im Februar 2021 ausrichten und hat sich für verschiedene weitere weltweite Veranstaltungen beworben, was einen Top-Down-Ansatz gewährleistet, der einen systematischeren Aufbau eines Fußballsystems von der Pike auf bzw. ab jungem Alter ermöglicht.

(l-r): AIFF President Praful Patel, Union Minister of State (I/C) Youth Affairs and Sports Kiren Rijiju, FIFA Chief Women’s Football Officer Sarai Bareman and FIFA Head of Youth Tournaments Roberto Grassi during the launch of the official slogan for the FIFA U-17 Women’s World Cup in New Delhi

INTERNATIONALER RAHMEN
Einer der größten Vorteile bei der Ausrichtung von nach Alter gestaffelten Weltmeisterschaften ist die Erneuerung der Infrastruktur – seien es bestehende oder neue Stadien und Trainingsanlagen oder höhere Investitionen in den Sport. Die FIFA fordert die Erfüllung strenger Genehmigungsstandards, um derartige Wettbewerbe ausrichten zu können, und aus diesem Grunde können dann die Spieler auf Weltklasseanlagen trainieren und spielen.

Auch für die Frauen-WM wurden die Veranstaltungsorte so ausgewählt, dass sich der Sport im Land verbreitet. Dazu gehören Ahmedabad in Gujarat und Bhubaneswar in Odisha. Eine weitere Neuerung ist, dass Indien derzeit ein U17-Team für die Frauen-WM zusammenstellt. Im ganzen Land finden Tests statt, um geeignete Spielerinnen auszuwählen, die sich dann auf Weltklasseanlagen auf das Ereignis vorbereiten können.

Im Inland
Diese weltweiten Ereignisse in Indien tragen nicht nur zu mehr Interesse und Enthusiasmus der Menschen für das Spiel bei, sondern sorgen auch für eine Anhebung der Spielstandards im Inland.

Ein Land kann nur dann darauf hoffen, seine besten und talentiertesten Leute im internationalen Rahmen spielen zu lassen, wenn es über ein gut funktionierendes System im Inland verfügt. Mit der Einführung der Indian Super Leage (ISL) in 2014 wurde der Sport insgesamt neu strukturiert. Die ISL – eine Idee der AIFF – wird immer beliebter im Land und kann dazu beitragen, dass Indien auch im asiatischen Fußball seinen Platz findet. Die ISL zieht ausländische Spieler und hochqualifizierte Fachleute an, die Weltklassetraining anbieten, und viele junge Spieler und neue Talente profitieren enorm davon. Der positive Effekt ist an den bemerkenswerten Leistungen des indischen Teams bei der internationalen Asienmeisterschaft der AFC (Asian Football Confederation) im letzten Jahr ablesbar.

ERFOLGSPLANUNG
Außerdem wurden verschiedene Regierungsprogramme initiiert, um das Spiel zu fördern, wie Mission XI Million (2017), das den Sport besser in den Schulen integrieren sollte. Das Hauptziel des Programms ist es, die Fußballleidenschaft in rund 11 Millionen Kindern aus 37 Städten und in 12.000 Schulen quer durch alle Bundesstaaten zu wecken. Die Sport Association of India (SAI) hat mehrere Initiativen ergriffen, um den Sport zu fördern, seien es das SAI Training Centres Scheme (STC) oder das Centre of Excellence Scheme (COX) für ältere Spieler.

Der AIFF-Strategieplan (2019-2022) verfolgt das Ziel, dass 11.000 Junioren (unter 12 Jahre) bis 2022 in 200 ‚Baby‘-Ligen spielen. Der Verband plant die Einführung mindestens einer Liga (jeweils für Spieler unter 13, 15 und 18 Jahren) in jedem indischen Bundesstaat bis zum Jahr 2022 – eine Entscheidung, die dem indischen Fußball entscheidende Impulse verleihen wird.

 

The trophy for the FIFA 2017 U-17 World Cup in India ahead of the final match between England and Spain in Kolkata

Wenn sich der Sport in dieser Weise weiterentwickelt, wird auch ein erhöhter Bedarf an technischem Personal für die rund 40.000 Junioren-Spiele entstehen, die bis 2022 geplant sind. Hierfür werden laut AIFF knapp 18.570 Trainer (derzeit 9.357) und 15.000 Schiedsrichter (derzeit 5.940) durch Entwicklungsaktivitäten zertifiziert, die in direktem Zusammenhang mit gut strukturierten Wettbewerben stehen. Seit 2019 wurden bereits mehr als 60 akkreditierte Fußballakademien in Indien eingerichtet – bis 2015/16 waren es lediglich 12.

Indian captain Amarjit Kiyam and Josh Sargent of USA pose with referees prior a FIFA U-17 World Cup match in New Delhi

DIE ZUKUNFT
Der indische Fußball ist wettbewerbsorientiert und professionell geworden. Die ISL funktioniert mit ihren neuen Franchisekonzepten, Transfers etc. wie eine gut geölte Maschine. Große Unternehmen investieren in das Spiel. Ein jüngstes Beispiel ist Kolkatas jahrhundertealter Fußballclub, der legendäre East Bengal, der in die ISL eintrat. Die nach Alter gestaffelten Teams in Indien machen sich ebenfalls gut auf nationaler und internationaler Ebene. Was in Indien nun benötigt wird, ist ein einheitliches System mit einer herausragenden Liga, die im Einklang mit den niedrigsten Ebenen funktioniert. Alles, was es braucht, sind neben diesem einheitlichen System professionelle Standards, eine verbesserte Infrastruktur und eine förderliche Umgebung, damit die Fußballflamme in Indien wieder entzündet werden kann.

Arjun Pandit

Arjun Pandit ist ehemaliger Fußballspieler, der bei führenden Clubs wie dem Salgaocar FC in Goa gespielt hat. Nach einer Verletzung war er gezwungen aufzuhören und wurde Sportjournalist und Moderator. Er taucht in den führenden indischen Netzwerken wie Star, Zee etc. auf und ist durch seine Show 420 grams in alle Entwicklungen auf dem Gebiet des indischen Fußballs involviert
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