Partnerschaft

Die Chennai-Verbindung

Heft 05, 2019

Die Chennai-Verbindung

Manish Chand |Autor

Heft 05, 2019


Der zweite informelle Indien-China-Gipfel in Mamallapuram zwischen PM Narendra Modi und dem chinesischen Präsidenten fokussierte sich auf den Ausgleich des Handelsdefizits und den Vertrauensaufbau und läutete eine neue Phase der Kooperation in den Beziehungen der beiden Nachbarländer ein

Vor der Kulisse der Felsmonumente und -skulpturen aus dem 7. Jahrhundert in der Meerestempelstadt Mamallapuram (Mahabalipuram) am Rande von Chennai in Tamil Nadu nippten die Regierungschefs von Indien und China an Kokoswasser und teilten ihre Hoffnungen auf eine neue Phase der indisch-chinesischen Beziehungen, die von einer Win-Win-Kooperation sowie von größerem Vertrauen und Verständnis für die zentralen Interessen und Ziele der anderen Partei geprägt ist. Die Chemie zwischen Premierminister Narendra Modi und dem chinesischen Präsidenten XiJinping schien gut zu sein, als ersterer seinen Ehrengast an der Gruppe von Denkmälern am UNESCO-Weltkulturerbe Mahabalipuram herumführte, gefolgt von einem festlichen Abendessen an dem malerischen Ufertempel.

Die beiden besuchten in einem Ort in Kovalam außerdem eine Ausstellung mit Handwebstühlen und anderen handgearbeiteten Artefakten aus Tamil Nadu

Der neue Traum

Am ersten Tag ihres zweiten informellen Gipfels am 11. Oktober 2019 tauschten PM Modi und Präsident XiJinping über Stunden hinweg ihre Visionen für die Entwicklung und das Wiedererstarken ihrer Nationen aus. Das Gespräch konzentrierte sich auf PM Modis Plan zur Schaffung eines neuen Indiens bis 2022, um somit den 75. Jahrestag der Unabhängigkeit Indiens zu feiern, und auf XiJinpings Wunsch für China, wonach sich neue Weg für eine vielfältige Kooperation zwischen den beiden asiatischen Nachbaren eröffnen. Dieses informelle Treffen zwischen den beiden Regierungschefs bereitete den Boden für die weitreichenden Gespräche auf Delegationsebene am 12. Oktober.

Die beiden Regierungschefs bei Lord Krishnas Butterball, einem gigantischen Granitblock, der dramatisch am Fuße eines Hügels liegt

Die zweitägigen Gespräche gipfelten in dem Begriff Chennai Connect, der Bekräftigung des Geistes von Wuhan (dem ersten informellen indisch-chinesischen Gipfel in Wuhan, China, im April 2018), wonach „mit Differenzen klug umgegangen werden soll“ und Kooperationsfelder in allen Feldern, darunter wirtschaftliche, strategische und kulturelle, erweitert werden sollen.

 

Ausgleich des Handelsdefizits

Das zentrale Ergebnis des Gipfels war die Entscheidung für die Einrichtung des hochrangigen Wirtschafts- und Handelsdialogmechanismus, um das Handelsdefizit zu reduzieren und den Handel auf den Feldern Waren, Dienstleistungen und Investitionen zu intensivieren. Der Mechanismus, dessen Vorsitz die indische Finanzministerin NirmalaSitharaman und der chinesische Vizepräsident Hu Chunhua übernehmen sollen, könnte die indisch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen grundlegend verändern, wenn sich China an sein Versprechen der Öffnung seiner Märkte für indische Pharmaunternehmen und IT-Dienste hält.

PM Modi schenkte dem chinesischen Präsidenten am Schlusstag des Gipfels einen großen handgearbeiteten Seidenschal mit einer Prägung des Bildes von Präsident Jinping vor hellrotem Hintergrund und wurde von Webern einer Gesellschaft in Coimbatore hergestellt.

Dieser Mechanismus wird Indien helfen, das Handelsdefizit mit China in Höhe von mehr als 50 Milliarden USD zu senken, und indischen Unternehmen besseren Zugang zum chinesischen Markt ermöglichen.

Im Gegenzug schenkte der chinesische Regierungschef Modi ein Porzellansouvenir mit dessen Bild darauf

Strategisches Vertrauen

Ein weiteres wichtiges Ergebnis des zweiten informellen Gipfels war die Vertiefung und Konsolidierung der strategischen Kommunikation, damit Misstrauen bei Themen von zentralem Interesse für beide Länder vermieden werden kann. Im Hinblick darauf beschlossen beide Seiten eine Verbesserung der Sicherheits- und gegenseitigen Militärkooperation.

PM Modi und Präsident Jinping unterhalten sich leise am PanchaRatha- (fünf Streitwagen)-Komplex in Mammalapuram.

Auf lange Sicht wollendie beiden asiatischen Mächte ihre globale Partnerschaft durch Verbesserung der Kooperation bei vielfältigen entscheidenden Themen stärken, darunter Klimawandel und nachhaltige Entwicklung. In Anbetracht von zunehmendem Protektionismus beschlossen beide Länder „die Zusammenarbeit mit dem Ziel offener und integrativer Handelsvereinbarungen, die allen Ländern nutzen“.

Kulturelle Verbindung

Aufbauend auf dem Gipfel von Wuhan, der zur Einrichtung eines hochrangigen zwischenmenschlichen und kulturellen Austauschmechanismus zwischen Indien und China geführt hatte, gab der Gipfel von Chennai der Haltung, die Menschen ins Zentrum dieser sich entwickelnden Partnerschaft zu stellen, neuen Auftrieb. Die beiden Regierungschefs stimmten überein, dass die öffentliche Meinung einbezogen werden muss, um die Beziehungen auf eine breitere Grundlage zu stellen. In diesem Kontext vereinbarten beide Seiten, anlässlich ihres 70. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen jeweils 35 Veranstaltungen in ihren jeweiligen Ländern zu organisieren. „Die beiden Staatschefs kamen überein, 2020 als das Jahr des kulturellen und zwischenmenschlichen Austauschs zwischen Indien und China zu bezeichnen und wollen den 70. Jahrestag der Aufnahme indisch-chinesischer Beziehungen im Jahr 2020 optimal nutzen, um den Austausch auf allen Ebenen zu vertiefen“, so die Erklärung des Außenministeriums.

Die beiden Regierungschefs mit einer Gruppe örtlicher Künstler nach einer kulturellen Aufführung

Gespräche und mehr

Die beiden Regierungschefs hielten es für wichtig, den Dialog zur Stärkung des kulturellen Verständnisses zwischen den beiden Nationen zu intensivieren.

Beide vereinbarten eine Zusammenarbeit, um auch das das Verständnis zwischen Kulturen und Zivilisationen in anderen Teilen der Welt zu vertiefen.

Es fand ein Meinungsaustausch zu anstehenden Themen wie beispielsweise der Grenzfrage statt.

Manish Chand

Manish Chand ist Chefredakteur des Magazins Indiaandthe World und des NetzwerksIndiaWrites, ein Portal, das sich auf globale Angelegenheiten fokussiert
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