Erfolg

Reduzieren. Wiederverwenden. Recyceln

Heft 02, 2021

Reduzieren. Wiederverwenden. Recyceln

Shrabasti Anindita Mallik |Autor

Heft 02, 2021


Die vom indischen Premierminister Narendra Modi geführte Regierung unternimmt große Anstrengungen für eine saubere Umwelt und nachhaltige Entwicklung. Anlässlich des Internationalen Umwelttags am 5. Juni stellen wir einige Unternehmen vor, die aus Abfällen nützliche Produkte machen und damit die Regierungsinitiativen unterstützen

Seit der Amtsübernahme des indischen Premierministers Narendra Modi im Jahr 2014 gehört es zu seinen Zielen, Indien in eine sauberere Nation zu verwandeln. Um dieses Ziel zu erreichen, initiierte er einige Programme und Initiativen, wovon Swachh Bharat Abhiyan (die Mission Sauberes Indien) die ehrgeizigste und erfolgreichste ist. Eine weitere wegweisende Regierungsinitiative ist das Namami Gange Programm, eine integrierte Umweltmission, um die Verschmutzung des Ganges zu reduzieren, ihn zu schützen und zu regenerieren.

At Phool’s factory, based in Kanpur, flowers collected from temples and River Ganges (over 2.5 tons daily) in and around Kanpur are manually segregated by women before being processed into incense sticks and vermicompost
Im Phoo-Werk in Kanpur werden die Blumen vor der Verarbeitung manuell sortiert

Während sich die Regierung auf Missionsebene auf die Verbesserung der Sauberkeit fokussiert, gibt es einige kleine Unternehmen und unternehmerische Initiativen, die jeweils auf ihre Weise nicht nur zu einer saubereren Umwelt, sondern auch zu einem effektiven Recycling von Produkten beitragen, die unsere Böden wie auch die Meere schädigen. Wir präsentieren einige Beispiele für nachhaltige Innovationen aus Indien, die den Slogan „Best out of Waste“ („Abfälle optimal nutzen“) neu definieren und dabei auch noch Beschäftigungschancen schaffen.

Der Duft der Religion

Eine Zeile in einem beliebten Hindu-Lied lautet „tera tujhko arpan“ („was den Göttern gehört, kommt zu den Göttern zurück“). Dies ist die zugrundeliegende Philosophie von Phool, ein Unternehmen aus Kanpur, welches Blüten, die in Tempeln ausgelegt und dann in den Ganges getaucht werden, zu Räucherstäbchen recycelt.Die Idee zu Phool, was auf Hindi Blume bedeutet, hatte Ankit Agarwal 2015, als er die Ganges-Ghat in Kanpur besucht und einen LKW voller Blumen sah, die aus den nahegelegenen Tempeln stammten und ins Wasser abgeladen wurden. „Sobald die Blumen das Wasser berührten, verblassten ihre Farben. Meine Nachforschungen ergaben, dass diese Blumen mithilfe von Insektiziden und Pestiziden angebaut wurden. Da beschloss ich, diese heiligen Blumen in organische Produkte zu verwandeln.“

Incense sticks are hand-rolled and dipped in a range of essential oils, including lavender, jasmine, Indian rose, oudh and citronella;
Räucherstäbchen werden von Hand gerollt und in verschiedene ätherische Öle wie Lavendel-, Jasmin-, indisches Rosen-, Oudh- und Zitronenöl getaucht

Nachdem die Blumen gesammelt wurden, werden sie von Hand sortiert und mit einem biologischen Mittel eingesprüht, um die chemischen Rückstände zu absorbieren. Als nächstes werden die Blumen gewaschen und die Blüten zerkleinert und in der Sonne getrocknet. Die getrockneten Blüten werden zermahlen und mit natürlichem Pflanzenharz vermischt, um eine weiche Masse zu erhalten, aus der von Hand Räucherstäbchen gerollt werden, die dann trocknen müssen. Zu guter Letzt werden die Stäbchen vor dem Verpacken in ätherische Öle getaucht. Jeden Tag sammelt Phool mehr als 2,5 Tonnen Blumen in den Tempeln in und um Kanpur. Diese Blumen werden nicht nur in Räucherstäbchen, sondern auch in biologische Produkte wie Räucherkegel, Farbpulver und Wurmkompost verwandelt.

Kette und Schuss

Man sagt oft, dass die besten Ideen zu den unmöglichsten Zeiten kommen. Nandan Bhat, Gründer von Ecokaari, einem Unternehmen, das Plastikabfall in wunderschöne, von Hand hergestellte Stoffe upcycelt, ist dafür ein passendes Beispiel. Bhat ist leidenschaftlicher Wanderer und stellte bei einer seiner häufigen Touren im Norden des Landes fest, wie viel Müll die Touristen hinterließen. „Ein großer Teil des Mülls besteht aus Plastikverpackungen. Also beschloss ich, etwas mit dem Plastik anzufangen, das niemand recycelt“, erzählt Bhat. Bhat gründete Ecokaari im September 2020. Die gesammelten Kunststoffe werden in biologisch abbaubarem Reiniger gewaschen und getrocknet und anschließend, nach Farbe und Dicke sortiert, von Hand in Streifen geschnitten. Dann werden diese Streifen auf einer Charkha (Spinnrad) auf Garnspulen aufgerollt. Der letzte Schritt ist das Einlegen der Garnspule in einen Wagen und das Weben des Stoffs auf einem traditionellen Handwebrahmen. „Die Einzigartigkeit dieses Stoffs liegt darin, dass er komplett upcycelt ist. Wir verwenden die Plastikstreifen als Schuss und die Fäden, die wir aus recycelten Plastikflaschen herstellen, als Kette“, führt Bhat aus. Der Stoff wird dann in die gewünschte Form geschnitten und als Yoga- oder Einkaufstasche, Seesack, Geldbörse, Untersetzer, Besteckbeutel, Kissen oder Tischdecke gestaltet.

 Plastic wrappers collected by Pune-based brand Ecokaari are manually segregated by colour and thickness before being processed
Handwerker der Firma Ecokaari aus Pune gestalten verschiedene Arten von Beuteln aus den Stoffen, die aus Upcycling-Plastik gewonnen werden

Das Unternehmen hat seinen Sitz in Pune und upcycelt eine Vielzahl an Plastikabfällen, darunter Einwegplastiktüren, Mehrschichtverpackungen von Lebensmittelprodukten und alte Audio- oder Videokassettenbänder. „Wir nehmen auch Spenden von Menschen an, die dieselbe Vision einer plastikfreien Umwelt haben wie wir“, fügt Bhat hinzu. Abgesehen vom Upcycling des Plastikmülls hält Ecokaari damit auch das traditionelle indische Handwerk des Handwebens und der Charkha-Nutzung am Leben. „Es ist ein kleiner Versuch, die Tradition des Handwebens an die nächste Generation weiterzugeben“, meint Bhat.

Alles wird verwendet

‚Reduzieren. Wiederverwenden. Recyceln‘ könnte der Slogan einer beliebten animierten Show aus den 1990ern gewesen sein, aber für den 27-jährigen Binish Desai ist dies nichts weniger als ein Mantra. Der Erfinder und selbsternannte Sozio-Öko-Unternehmer erschafft nachhaltige und nützliche Produkte aus Abfallmaterialien, seitdem er 11 Jahre alt ist.Heutzutage macht er mit seiner neuesten Erfindung Schlagzeilen – Brick 2.0. Diese Backsteine werden aus ausgedienten Gesichtsmasken hergestellt und kommen zu einer Zeit, in der Indien und die Welt als ganzes mit dem Problem der Umweltverschmutzung durch den sogenannten ‚Corona-Müll‘ konfrontiert sind.Seine Lösung des Problems begann mit der Untersuchung des Maskenherstellungsmaterials, eines Vliesstoffs. Er sammelte einige Masken und tauchte sie in einen Behälter mit Desinfektionsmittel, bevor er einige Experimente durchführte, um die passende Kombination der Bindemittel für die notwendige Festigkeit des Endprodukts festzulegen.

Ecokaari uses traditional handlooms to create sustainable and durable fabrics with upcycled plastic;
Ecokaari verwendet traditionelle Handwebrahmen, um aus Upcycling-Plastik nachhaltige Stoffe zu gestalten

Nach erfolgreichem Abschluss der Experimente kontaktierte Desai die Gemeindeverwaltungen und die örtlichen Institutionen in Surat und Valsad, um Ökobehälter für das Sammeln von PPE-Abfällen aufzustellen. Das gesammelte Material wird nach der gründlichen Desinfektion geschreddert. Anschließend werden die Papierabfälle aus industriellen Papierfabriken sowie ein spezielles Bindemittel, das im hauseigenen Labor entwickelt wird, mit den geschredderten PPE-Abfällen vermischt. „Die Mischung lassen wir ungefähr sechs Stunden stehen, bevor sie in die Formen gegossen wird. Die Formen trocknen dann einige Tage, bis sie verwendet werden können“, führt Desai aus. Der großartigste Aspekt von Brick 2.0 ist der niedrige Preis: 2,8 INR pro Backstein!

In 2012, Desai received a certificate of appreciation from PM Modi (then Chief Minister of Gujarat) for constructing houses and lavatories with his ingenious P-bricks
Im Jahr 2012 erhielt Desai ein Anerkennungszertifikat von PM Modi (dem damaligen Ministerpräsidenten von Gujarat) für den Bau von Häuser und Toiletten mithilfe seiner genialen P-Bricks

Dies ist allerdings nicht das erste Mal, dass Desai Backsteine aus Abfallmaterialien herstellt. Ungefähr im Jahr 2010 hatte er eine andere Art Backstein aus Altpapier, Überresten von Kaugummi, organischen Bindemitteln und Pflanzenextrakten entwickelt. Er nannte sie P-Bricks und verwendete sie, um mehr als 10.000 Toiletten und Gebäude im ländlichen Gujarat, Maharashtra und Andhra Pradesh zu bauen. Desais Erfindungen sind darüber hinaus keinesfalls auf umweltfreundliche Backsteine begrenzt. Nach seinen eigenen Aussagen können sein Team und er „mit etwas F&E und einigen Experimenten jede Form von Abfall in etwas Nützliches verwandeln“. Von Lampen und Schmuck bis zu Wanduhren – die Ergebnisse sind vielfältig.Dies sind drei der zahlreichen unternehmerischen Initiativen, die nicht nur PM Modis Vision eines sauberen Indiens, sondern auch seine Initiativen Make in India und Aatmanirbhar Bharat unterstützen.

Shrabasti Anindita Mallik

Shrabastik Mallik ist Absolventin des Indian Institute of Mass Communication und hat bei MYCityLinks, einer Boulevardzeitung in Bhubaneshwar, und der Zeitung The Pioneer gearbeitet. Sie mag Musik, ist Büchernärrin und liebt es, über Reisen, Musik und andere faszinierende Themen zu schreiben.
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