Fortschritt

Vom Volk, durch das Volk und für das Volk

Heft 03, 2020

Vom Volk, durch das Volk und für das Volk

Shrabasti Mallik |Autor

Heft 03, 2020


Seit mehreren Jahrzehnten werden mit den Padma Awards, Indiens höchster ziviler Auszeichnung, verdienstvolle Männer und Frauen ausgezeichnet. Vor drei Jahren optimierte die Regierung den Nominierungsvorgang für die Auszeichnung und ermutigte die Bürger, die stillen Helden zu nominieren, die sich in den Dienst der Gesellschaft stellen

Unter den Einwohnern von Bolpur, einer Stadt am Rande von Kolkata in Westbengalen, ist Dr. Sushovan Banerjee als „Ek Takar Daktar“ (der 1-Rupie-Arzt) bekannt. In den letzten 47 Jahren behandelte er Patienten für den symbolischen Betrag von 1 INR! Ähnlich inspirierend ist die Geschichte von Dr. Tsering Landol. Als erste Gynäkologin in Ladakh stellte sie ihre medizinische Expertise bei einem Fünftel der Geburten in der Region unter Beweis und verbesserte das Gesundheitssystem des SN Memorial Hospital in Leh, der medizinischen Institution, der sie bis 2003, als ihr offizieller Dienst endete, zugeordnet war. Sie ist jedoch weiterhin freiwillig wöchentlich in der Ladakh Heart Foundation tätig. Dies sind nur zwei der 141 Personen, die in 2020 von der indischen Regierung den Padma Award erhalten haben, eine der höchsten zivilen Auszeichnungen Indiens für außergewöhnliche und herausragende Verdienste.

Die Auszeichnungen – der Reihe nach: Padma Vibhushan (für außergewöhnliche und herausragende Verdienste), Padma Bhushan (herausragende Verdienste höheren Grades) und Padma Shri (herausragende Verdienste – werden jährlich am Tag der Republik (26. Januar) bekanntgegeben und einige Monate später in einer zivilen Übergabezeremonie, die im Rashtrapati Bhavan stattfindet, verliehen. In diesem Jahr organisierte die Regierung außerdem ein Quiz über das Leben indischer Helden, mit dessen Teilnahme man die Gelegenheit bekam, der Padma Awards-Zeremonie in Neu Delhi beizuwohnen. Die Zeremonie wurde allerdings auf den 3. April angesetzt und nun wegen des Coronavirus-Ausbruchs im Land verschoben.

DER NOMINIERUNGSVORGANG

Die indische Regierung führte die Padma Awards im Jahr 1954 gemeinsam mit dem Bharat Ratna ein, der höchsten zivilen Auszeichnung des Landes. Seit diesem Zeitpunkt erfolgten die Empfehlungen bis vor drei Jahren durch das Padma Awards Committee, das alljährlich durch den Premierminister einberufen wurde. Mittlerweile wurde der Nominierungsvorgang unter der Führung von Premierminister Narendra Modi für die Öffentlichkeit freigegeben und man kann sich sogar selbst nominieren. Diesen Paradigmenwechsel erklärte PM Modi in einem offiziellen Tweet vom 17. August 2017: „Erinnert ihr euch, wie die Padma Awards früher vergeben wurden? Wir haben eine ‚kleine‘ Änderung vorgenommen – jedermann kann nun Kandidaten empfehlen, so wie es früher der Fall war (sic).“

Die Reaktion darauf war so überwältigend, dass der Premierminister in seiner monatlichen Ansprache an die Nation im Januar dieses Jahres den Eingang von 46.000 Nominierungswünschen für das Jahr 2020 verkündete, was im Vergleich zu 2014 mehr als das Zwanzigfache ist. „Der gesamte Prozess [der Padma Awards] findet nun online statt. Zuvor wurde die Entscheidung von einigen auserwählten Personen getroffen. Nun ist es alleinig eine Angelegenheit des Volkes”, erklärte er.

STILLE HELDEN

Einer der größten Erfolge der Öffnung des Nominierungsvorgangs für das Volk ist die angemessene Anerkennung, die einige stille Helden erhalten, die ihr Leben stillschweigend für eine bessere Gesellschaft opfern. Laut dem Premierminister sind unter den diesjährigen Padma-Preisträgern viele, die durch ihre harte Arbeit den Aufstieg aus der Pyramide geschafft haben. „Sie haben Ressourcen-Beschränkungen und eine schreckliche, verzweifelte Umgebung überwunden und sich hochgearbeitet“, verkündete er. In 2020 wurden unter anderem die Anstrengungen von Moozhikkal Pankajakshi aus Kerala, Jagdish Lal Ahuja aus Punjab und Usha Chaumar aus Rajasthan gewürdigt. Pankajakshi soll einer der letzten Praktizierenden von Nokkuvidya Pavakal sein, der aussterbenden traditionellen Marionettentheaterkunst aus Kerala. Der 84-jährige Ahuha wurde liebevoll Langar Baba genannt und war ein Selfmade-Millionär, der alles verkaufte und sein Leben in seinen letzten beiden Jahrzehnten damit verbrachte, den Armen kostenloses Essen zu servieren. Chaumars Geschichte von einer Klofrau zur Präsidentin von Sulabh International zeugt von Mut, Zähigkeit und Kraft. Ihre Anstrengungen wurden jeweils mit einem Padma Shri gewürdigt. Und es gibt noch unzählige mehr.

Allerdings wurden neben den unbekannten Helden auch einige bekannte Namen mit der Auszeichnung bedacht, darunter die ehemalige Außenminister Sushma Swaraj (posthum: Padma Vibhushan), die Boxlegende MC Mary Kom (Padma Vibhushan), der klassische Sänger Ajoy Chakravorty (Padma Bhushan) und Bollywood-Regisseur Karan Johar (Padma Shri).

Padma Vibhushan

(For exceptional and distinguished service)
1) Sushma Swaraj (Posthumous), Delhi (Public Affairs)
2) Arun Jaitley (Posthumous), Delhi (Public Affairs)
3) MC Mary Kom, Manipur (Sports)
4) Vishveshateertha Swamiji Sri Pejavara Adhokhaja Matha Udupi (Posthumous), Karnataka (Others-Spiritualism)
5) George Fernandes (Posthumous), Bihar (Public Affairs)
6) Chhannulal Mishra, Uttar Pradesh (Art)
7) Sir Anerood Jugnauth GCSK, Mauritius (Public Affairs)

Padma Bhushan

(Distinguished service of higher order)
1) Krishnammal Jagannathan, Tamil Nadu (Social Work)
2) Balkrishna Doshi, Gujarat (Others-Architecture)
3) Anand Mahindra, Maharashtra (Trade and Industry)
4) M Mumtaz Ali (Sri M), Kerala (Others-Spiritualism)
5) Neelakanta Ramakrishna Madhava Menon (Posthumous), Kerala (Public Affairs)
6) Venu Srinivasan, Tamil Nadu (Trade and Industry)
7) Manoj Das, Puducherry (Literature and Education)
8) Prof. Jagdish Sheth, USA (Literature and Education)
9) Anil Prakash Joshi, Uttakhand (Social Work)
10) Syed Muazzem Ali (Posthumous), Bangladesh (Public Affairs)
11) Dr Tsering Landol, Ladakh (Medicine)
12) Ajoy Chakravorty, West Bengal (Art)
13) Manohar Gopalkrishna Prabhu Parrikar (Posthumous), Goa (Public Affairs)
14) SC Jamir, Nagaland (Public Affairs)
15) Muzaffar Hussain Baig, Jammu & Kashmir (Public Affairs)
16) PV Sindhu, Telangana (Sports)

Shrabasti Mallik

Shrabastik Mallik ist Absolventin des Indian Institute of Mass Communication und hat bei MYCityLinks, einer Boulevardzeitung in Bhubaneshwar, und der Zeitung The Pioneer gearbeitet. Sie mag Musik, ist Büchernärrin und liebt es, über Reisen, Musik und andere faszinierende Themen zu schreiben.
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