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Land der Leoparden

Heft 01, 2021

Land der Leoparden

Daulat Singh Shaktawat |Autor

Heft 01, 2021


Indiens Leopardenpopulation ist gemäß einem kürzlich von der indischen Regierung veröffentlichten Bericht um 60 Prozent gestiegen. Dies ist ein enormer Erfolg für die Naturschutzbemühungen des Landes, nachdem die Anzahl der Exemplare in anderen Teilen der Welt rasch abnimmt. Eine Analyse des Naturschützers Daulat Singh Shaktawat

Vor kurzem verkündete Indien eine signifikante Zunahme seiner Leopardenpopulation. Laut dem Regierungsbericht mit dem Titel ‚Leopardenstatus Indien, 2018‘, der am 21. Dezember 2020 veröffentlicht wurde, ist die Leopardenpopulation von 7.910 im Jahr 2014 auf 12.852 im Jahr 2018 gestiegen. Von der aktuellen Population leben im Nordosten gemäß Bericht 141 Leoparden und in den Shivalik Hills und den Ganges-Ebenen 1.253 Exemplare. In Zentralindien und den Eastern Ghats zählte man 8.071 und in den Western Ghats 3.386 Tiere. Interessanterweise könnten die erfassten Zahlen aufgrund von Stichprobenungenauigkeiten sogar niedriger sein als die tatsächlichen.Die Anzahl der Leoparden in Indien begann Ende der 1960er zu sinken. Nach weitreichenden Naturschutzbemühungen von Regierungsseite und von unabhängigen Organisationen gab es einen signifikanten Anstieg.

Eine Leopardin wird im Jaldapara Nationalpark in Westbengalen in die Freiheit entlassen

In den letzten Jahren hat sich nicht nur die Anzahl der Leoparden, sondern auch die von Großkatzen wie Tigern und Löwen in den indischen Wäldern erhöht. Diese Gesamtzunahme ist ein Beweis für Indiens Bemühungen zum Schutz wilder Tiere. Der indische Premierminister Narendra Modi beglückwünschte diejenigen, die sich für den Schutz der Leoparden einsetzen mit folgendem Tweet: „Tolle Nachrichten! Nach der Anzahl der Löwen und Tiger steigt auch die der Leoparden. Glückwunsch an diejenigen, die sich für den Tierschutz einsetzen. Wir müssen diese Anstrengungen fortsetzen und geschützte Lebensräume für unsere Tiere gewährleisten.“In Indien gibt es rund 15 Wildkatzenarten, wobei der Leopard (Panthera pardus) zu den Großkatzen und den schönsten und agilsten gehört. Leoparden sind für ihre einzigartigen Fähigkeiten und Anpassungsfähigkeit bekannt, was ihnen beim Überleben hilft. Außerhalb Afrikas ist Indien ist weiterhin der größte Lebensraum für dieses Tier, und dies ist angesichts der Tatsache, dass er in anderen Teilen der Welt bedroht ist, sehr ermutigend. Der Leopard lebt in der Wildnis in weiten Teilen Indiens, außer im alpinen Himalaya, dem äußersten Westen der Wüste in Rajasthan, dem Rann von Kachchh in Gujarat und den Sundarban-Flussdeltas in Westbengalen. Sein Lebensraum reicht von dichten Wäldern über offenen Dschungel bis zu Buschland. Auch rund um Städte wie Mumbai, Bengaluru und Mysuru ist er zu finden.

Neugeborene Leopardenjunge im Assam-Staatszoo in Guwahati

Die Anpassungsfähigkeit des Leopards sorgt auch für direkte Konflikte mit dem Menschen. Der ‚Leopardenstatus‘-Bericht betont diese Tatsache als eine von vielen, welche die Tierschutzbemühungen für diese Art in Indien gefährden. Lineare Infrastrukturprojekte und Wilderei sind weitere große Faktoren, welche die Art gefährden. Das Ministerium für Umwelt, Wald und Klimaschutz hat einen Leitfaden für Konflikte zwischen Menschen und Leoparden mitsamt den besten Verfahrensweisen für solche Situationen veröffentlicht. Ziele dieses Leitfadens sind die Reduzierung dieser Konflikte, die Verhinderung der Umsiedelung der Tiere und Vorschläge für einen besseren Umgang mit Konfliktszenarien.

Laut dem Bericht ist die zweitgrößte Bedrohung für Leoparden die Zunahme der linearen Infrastruktur wie Straßen, Bahnverbindungen, Stromleitungen und Kanäle, was für die Unterstützung von Indiens wirtschaftlicher Entwicklung notwendig, aber für die Wildnis schädlich ist. Der linearen Infrastruktur fällt vielleicht nur ein kleiner Waldanteil zum Opfer, sie wirkt sich aber unverhältnismäßig stark aus und stört den Wildtierkorridor. Indien unternimmt diverse Maßnahmen, um die Wahrung der Biodiversität und die Zunahme der linearen Infrastruktur in Einklang zu bringen. Hierzu zählen die Schaffung und der Ausbau von Schutzzonen, in denen wilde Tiere ungestört leben können, sowie Mainstreaming-Ansätze. In den indischen Wäldern wird Technologie eingesetzt, um alle Wildkatzen, darunter auch Leoparden, zu überwachen und zu schützen. Mithilfe von Kamerafallen und der Funktelemetrie will man die Verhaltensweisen der Tiere verstehen, um Informationen zu ihrem Lebensstil zu sammeln. Auf diese Weise sollen sie vor diversen Bedrohungen geschützt und Mensch-Tier-Konflikte vermieden werden.Die indische Regierung unternimmt intensive und konstante Aufforstungsbemühungen zur Verbesserung der Lebensräume, ergreift Schutzmaßnahmen und schafft Wildtierkorridore in den betreffenden Bundesstaaten. Diese kontinuierlichen Bemühungen haben zu einer erheblichen Zunahme des Waldanteils und der Wildtierpopulation geführt. Laut dem indischen Waldzustandsbericht 2019 ist der Wald- und Baumanteil auf nationaler Ebene um 5.188 Quadratkilometer gestiegen, was zu einer Erhöhung der Anzahl der Wildtiere, einschließlich des Leopards, geführt hat.

Ein Schneeleopardenpaar im Hemis-Nationalpark in Ladakh. In Indien lebt diese seltene Großkatze in Ladakh, Jammu und Kaschmir, Sikkim, Uttarakhand und Arunachal Pradesh

Daulat Singh Shaktawat

Daulat Singh Shaktawat is a wildlife conservationist and a naturalist, and the former Dy Conservator of Forests at Ranthambore National Park. He has published a book titled My Encounter with the Big Cat and Other Adventures in Ranthambhore. He is also a consultant of the World Wide Fund (WWF)-India and a member of the members of State Level Standing Committee.
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