Partnerschaft

ITEC: 56 Jahre jung und immer noch erfolgreich

Heft 05, 2020

ITEC: 56 Jahre jung und immer noch erfolgreich

Pinak Ranjan Chakravarty |Autor

Heft 05, 2020


Die Indian Technical and Economic Cooperation (ITEC) zeigt Indiens globale Vision der Partnerschaftsbildung in allen Entwicklungsbereichen und hat Indiens Profil als Entwicklungspartner an den Schnittstellen zahlreicher Sektoren geschärft, erklärt der ehemalige Botschafter Pinak Ranjan Chakravarty

Seit der Unabhängigkeit wird die indische Außenpolitik von der Solidarität mit anderen kolonisierten Nationen und Entwicklungsländern geleitet, nicht nur auf Basis gemeinsamer Ideologien, sondern auch starker wirtschaftlicher Grundlagen. Um dieses Ziel zu erfüllen, initiierte die indische Regierung in 1964 ein umfassendes Programm: die Indian Technical and Economic Cooperation, besser bekannt unter ihrer Abkürzung ITEC, die gerade unabhängig gewordenen Ländern und Entwicklungsnationen auf technischem und wirtschaftlichem Gebiet unterstützen sollte.

Das ITEC-Programm basiert auf der Ansicht, dass „es nötig ist, enge Beziehungen in beiderseitigem Interesse aufzubauen, die nicht nur auf den gemeinsamen Idealen und Zielen, sondern auch auf einer soliden Grundlage basieren. Technische und wirtschaftliche Kooperation werden als essentielle Funktionen einer integrierten und kreativen Außenpolitik angesehen“. Die ausschließlich von der indischen Regierung finanzierte ITEC ist ein untrennbarer Bestandteil der indischen Außenpolitik und repräsentiert einen wichtigen Bereich der indischen Soft-Power-Diplomatie, ein Begriff, der Ende der 1980er in das internationale Diplomatievokabular einsickerte.

Der indische Premierminister Narendra Modi (mit grüner Flagge) nimmt im Jahr 2017 die zweite Bhairab- und Titas-Eisenbahnbrücke in Betrieb. Diese Brücken wurden zwischen Dhaka (Bangladesch) und Kolkata (Indien) errichtet. Auch Außenminister Subrahmanyam Jaishankar (zweiter von rechts) war anwesend

Regionale Beziehungen

Die ITEC ist nachfragegesteuert und stützt sich auf innovative technologische Kooperation, um den Bedarf der Entwicklungsländer zu erfüllen. Seit den Anfangstagen sind über 2 Milliarden US-Dollar in dieses Programm geflossen, wovon Tausende Studenten und Berufstätige in rund 160 Ländern profitiert haben.

Das ITEC-Programm ist im Wesentlichen bilateral. In den letzten Jahren wurden die ITEC-Ressourcen jedoch auch für Kooperationsprogramme im regionalen und interregionalen Kontext eingesetzt, wie beispielsweise für die UN-Wirtschaftskommission für Afrika, das Commonwealth Secretariat, die UNIDO, die Gruppe der 77 und die G15. Das grundlegende Paradigma der ITEC ist die bilaterale Kooperation, aber es gibt auch eine regionale Dimension, in der Programme entwickelt wurden mit Organisationen wie der Association of South East Asian Nations (ASEAN), der Bay of Bengal Initiative for Multi-Sectoral Technical and Economic Cooperation (BIMSTEC), der Mekong-Ganga Cooperation (MGC), der Afrikanischen Union (AU), der Afro-Asian Rural Development Organization (AARDO), dem Panafrikanischen Parlament, der Karibischen Gemeinschaft (CARICOM), der Welthandelsorganisation (WTO), der Indian Ocean Rim – Association for Regional Cooperation (IOR-ARC) und dem Gipfeltreffen des Indien-Afrika-Forums.

Das ITEC-Programm hat sich im Lauf der Jahre weiterentwickelt. Im Rahmen der ITEC und ihrer Schwesterprogramme SCAAP (Special Commonwealth African Assistance Programme) wurden 161 Länder aus Asien, Afrika, Osteuropa, Lateinamerika, der Karibik sowie den Pazifik- und kleinen Inselstaaten eingeladen, an dem indischen Entwicklungserfahrung teilzuhaben. Hierzu zählen Bereiche wie beispielsweise der zivile und militärische Sektor, Projekte, Beratungs- und Machbarkeitsstudien, das Entsenden indischer Experten verschiedener Fachrichtungen, Studienreisen für Vertreter und Studenten des Partnerlandes, die Lieferung von Ausrüstung als Geschenk oder angeforderte Spende sowie der Katastrophenschutz. Der Katastrophenschutz ist eine zentrale Komponente der ITEC und fokussiert sich auf Lebensmittelsicherheit und medizinische Hilfe als humanitäre Unterstützung.

Ausländische Studenten, die Indien im Rahmen des ITEC-Stipendienprogramms besuchten

Schulungsmodule

Die Schulung in digitalen Technologien ist ein besonderes Merkmal, das Indien im Rahmen des Kapazitätsaufbau durch die ITEC anbietet. Berufstätigen aus Entwicklungsländern werden sowohl im zivilen wie auch im Verteidigungsbereich spezielle Schulungskurse in verschiedenen indischen Exzellenzzentren angeboten. Im zivilen Sektor beinhalten die Schulungen Fächer von IT über ländliche Entwicklung und parlamentarische Praxis bis hin zu Unternehmertum, Marine- und Flugzeugtechnik und vieles mehr. Im Verteidigungsbereich decken sie Bereiche wie Sicherheits- und Strategiestudien, Verteidigungsmanagement, Marine- und Flugzeugtechnik, Logistik und Management und weitere ab. Alljährlich vergibt die ITEC mehr als 12.000 Studienstipendien für Kurz- und Langzeitkurse an führenden indischen Institutionen. Die Partnerländer haben die Möglichkeit, die Mitarbeiter und Kurse auszuwählen, die ihren Entwicklungsanforderungen entsprechen. Viele derjenigen, die in Indien studiert haben oder geschult wurden, haben es in ihren Heimatländern in wichtige politische, Verwaltungs- oder Militärpositionen geschafft und tragen somit zur Entwicklung ihrer Länder und zur Stärkung der Beziehungen zu Indien bei.

Als Folge der verschiedenen Aktivitäten innerhalb dieses Programms haben die anderen Länder nun ein sichtbares und wachsendes Bewusstsein für Indiens Kompetenz im Bereich technisches Know-How und Expertise sowie Schulungsmöglichkeiten, Beratungsdienstleistungen und Machbarkeitsstudien entwickelt. Diese Programme haben in den Entwicklungsländern immensen Goodwill und substanzielle Kooperationsbereitschaft ausgelöst.

Kreditlinien

Ein wichtiger Bestandteil der ITEC sind die Kreditlinien für essentielle Importe von Waren und Dienstleistungen, soziale Sicherheit und Infrastrukturprojekte, deren Bedingungen für die Partnerländer abgemildert wurden. Die indischen Nachbarländer in Südasien haben rund 70 Prozent der Darlehen nach diesen Kreditlinien erhalten. Indische Unternehmen, die an den ITEC-Programmen teilnehmen, haben sich in den Partnerländern niedergelassen, um unabhängig von der ITEC und von Kreditlinien Infrastrukturprojekte zu unterstützen.

Die ITEC-Kreditlinien-Partnerschaft stärkt die Freundschaft und Solidarität und ist aufgrund der Freiwilligkeit und dem Fehlen jeglicher Vorbedingungen von einem nationalen Verantwortungsgefühl für das Partnerland gekennzeichnet. Während der COVID-19-Pandemie konnten zahlreiche Schulungsteilnehmer und Studenten aus dem Ausland nicht nach Hause zurückkehren, und es wurden Arrangements für ihren verlängerten Aufenthalt getroffen.

Premierminister Narendra Modi enthüllt den Grundstein für das Atal Bihari Vajpayee Exzellenzzentrum am IT-Zentrum der Mongolian University of Science and Technology in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar

Das Wachstum der ITEC führte dazu, dass das Außenministerium das Management der ITEC und des Bereichs Kreditlinien (LoC) im Jahr 2011 zu einer neuen Stelle mit der Bezeichnung Development Partnership Administration zusammenfasste, um die Arbeit in einer einzigen vertikalen Managementstruktur zu bündeln. Mittlerweile ist die ITEC/LoC eine zentrale Säule von Indiens Entwicklungsbemühungen und Diplomatie, geprägt von dem kulturellen Vermächtnis „Vasudhaiva Kutumbakam“ (die Welt ist meine Familie).

Pinak Ranjan Chakravarty

Pinak Ranjan Chakravarty is a former Indian ambassador and permanent secretary in the Ministry of External Affairs, Government of India. He is currently a visiting fellow at the Observer Research Foundation, a leading Indian think tank in New Delhi, and a regular media commentator.
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