Partnerschaft

Indien und die Arktis

Heft 01, 2021

Indien und die Arktis

Dr. Chaitanya Giri |Autor

Heft 01, 2021


Indien war sehr erfolgreich in seiner ersten Amtszeit als Beobachter im Arktischen Rat. Mit seiner Wiederwahl kann das Land nun viel mehr für die globale Organisation tun, indem es die Umweltstabilität in der Polarregion fördert

Im Jahr 2019 wurde Indien als Beobachter im Arktischen Rat wiedergewählt, einer multilateralen Organisation, die aus acht Arktisanrainerstaaten besteht und sich für die Förderung von Kooperation, Koordination und Interaktion zwischen den Arktisstaaten, der einheimischen Bevölkerung und anderer Bewohner bei den Themen nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz einsetzt. Indien hatte den Beobachterstatus erstmals 2013 gemeinsam mit fünf anderen Nationen erhalten. Während seiner vorherigen Amtszeit hatte Indien privilegierten Zugang zu den Veranstaltungen des Arktischen Rats, und das Ministerium für Umwelt, Wälder und Klimaschutz konnte in den Conservation of Arctic Flora and Fauna-Arbeitsgruppen des Arktischen Rats wertvolle Beiträge für die Arktische Zugvogelinitiative AMBI leisten. Das Ministerium förderte Untersuchungen und den Schutz der Zugvögel, die im nördlichen Winter nach Indien fliegen.

Indiens Erfahrungen in der AMBI haben zur Anerkennung dessen beigetragen, was heute als Erklärung von Gandhinagar bekannt ist. In dieser wird betont, dass die Verbesserung der ökologischen Vernetzung die Top-Priorität für das Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten darstellt. Im Februar 2020 veranstaltete die indische Regierung die 13. UN-Sitzung der Konferenz der Vertragsparteien (UNEP-COP-13) in Gujarats Hauptstadt Gandhinagar, wo das Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten verabschiedet wurde. Im Rahmen des Übereinkommens wurden effektive Maßnahmenpläne erstellt, um das Töten und den Handel mit Zugvögeln zu verhindern, die Asien, Afrika, den eurasischen und amerikanischen Raum auf ihren Flugrouten überqueren. Außerdem wurden ökologische Schutzmaßnahmen formuliert, die für alle UNEP-Mitgliedsländer gelten. Die Erklärung von Gandhinagar ist möglicherweise Indiens wichtigster Erfolg aus der relativ begrenzten Verpflichtung im Rahmen des Arktischen Rats. Indien hat dem Arktischen Rat jedoch vieles zu bieten – heute noch mehr als je zuvor.

Eine der Leistungen Indiens im Kampf gegen den Klimawandel ist die Gründung der Internationalen Solarallianz (ISA). Hier ist PM Modi (rechts) mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron bei der Gründerkonferenz der ISA in Neu Delhi am 11. März 2018 zu sehen

Indien ist enorm erfolgreich bei der Einhaltung der Zusagen für die globalen Klimaziele. Im Jahr 2015 führte Indien eine weltweite Koalition aus 121 Ländern an, um die Internationale Solarallianz zu gründen. Im Jahr 2019 gründete Indien eine internationale sektorübergreifende Koalition für katastrophenresistente Infrastruktur, um die Auswirkungen auf die ökologische, wirtschaftliche und soziale Infrastruktur zu reduzieren. Indiens Walddichte hat sich in diesen Jahren deutlich erhöht und die großen umweltbelastenden Branchen verpflichten sich proaktiv zur Einhaltung der nachhaltigen Entwicklungsziele in diesem Jahrzehnt. Indien tut all dies, obwohl es zu den Ländern mit den niedrigsten Pro-Kopf-Kohlendioxidemissionen der Welt gehört.

Ende 2020 verzeichnete Indien große Fortschritte bei den Zusagen zu den Maßnahmen im Rahmen des Pariser Abkommens 2015 und ist seitdem eines der wenigen Länder und die einzige große Volkswirtschaft, die dies tut. Indiens „Geist der Treuhandschaft für den Planeten Erde“, wie Premierminister Narendra Modi es während des G20-Gipfels im November 2020 ausdrückte, fasst seine Bemühungen um eine umweltbewusste Wirtschaftsmacht gut zusammen. Dieses Bewusstsein qualifiziert Indien als gleichwertigen Partner und Beobachter im Arktischen Rat. Indien ist darüber hinaus bereits in einer fortgeschrittenen Phase der Formulierung einer umfassenden Nationalen Arktis-Politik. Dieser politische Rahmen wird Indiens Engagement und Aktivitäten in der Region zusammenfassen. Durch die Stärkung dieser Politik werden sich hohe technische, wissenschaftliche, ökonomische, finanzielle und strategische Kapazitäten im Land herausbilden, die Indiens Rolle im Arktischen Rat weiter akzentuieren werden. Indien unterhält enge und produktive bilaterale Beziehungen mit den Mitgliedern des Arktischen Rats, welche die Haupttreiber des wirtschaftlichen und strategischen Engagements des Landes in der Arktis sind.Indien hat im November 2020 eine Kooperationsvereinbarung mit Finnland zu Umweltschutz und Erhaltung der Biodiversität unterzeichnet. Seit August 2015 ist die Kooperationsvereinbarung zu Klimafragen und sauberer Energie zwischen Indien und den USA in Kraft.

Die Aufrechterhaltung der Biodiversität in der Arktis gehört zu den Hauptfokusgebieten des Arktischen Rats. (Im Uhrzeigersinn von oben): Der Polarfuchs, die Bartrobbe und die Schneeeule sind einige der berühmtesten einheimischen Arten in der Arktis

Im Mai 2021 wird Russland den Vorsitz des Arktischen Rats übernehmen. Indien wird dann seit zehn Jahren einen Beobachterstatus innehaben und sich bei seinen Zielen im Hinblick auf die Arktis mit anderen Ratsmitgliedern abstimmen. Das Land bemüht sich proaktiv um eine universelle Reduzierung der industriellen Methan- und Kohlendioxidemissionen und um eine Minderung der desaströsen Auswirkungen auf die Umwelt, was wiederum im Einklang mit dem Schadstoff-Maßnahmenprogramm des Rates steht. Indien kann gemeinsam mit anderen Ratsmitgliedern eine aktive Rolle bei der Formulierung einer Technologie-Roadmap für Wasserstoffwirtschaft in Asien übernehmen. Indiens Führungsrolle bei der Internationalen Solarallianz kann Ländern bei der Erzeugung des saubersten „grünen“ Wasserstoffs mithilfe von Solarenergie helfen. Dies bekräftigt Indiens Engagement für die Wahrung seiner Energie- und Handelsinteressen in der Arktis bei Achtung der international anerkannten Umweltschutzmaßnahmen.

Dr. Chaitanya Giri

Dr. Chaitanya Giri ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Raumfahrt- und Meeresstudien am Gateway House (einem außenpolitischen Think-Tank). Momentan konzentriert er sich in seiner Forschung auf Meeres- und Raumfahrtpolitik, eine moderne Technologie-Geostrategie, den industriellen Raumfahrt- und Marinekomplex und die Weltallforschung
error: Content is protected !!