Partnerschaft

Restaurierung ohne Grenzen

Heft 04, 2020

Restaurierung ohne Grenzen

Juhi Mirza |Autor

Heft 04, 2020


Indien restauriert im Rahmen seiner Entwicklungspartnerschaftsinitiative einige alte Tempel und Denkmäler in verschiedenen südostasiatischen Ländern. Die jüngsten Restaurierungsprojekte des Außenministeriums in Zusammenarbeit mit der Archaeological Survey of India und Partnerländern fördern ein reiches Kulturerbe zutage

Die südasiatische Region wird historisch in der alten indischen Literatur als Suvrnabhumi oder goldenes Land bezeichnet – ein Titel, der wegen des enormen Reichtums und der bunten und freundlichen Mischung der Kulturen zutreffend ist, was sich an den alten Denkmälern in diversen Ländern dieser Region zeigt. Indien spielt bei der Bewahrung dieses gemeinsamen kulturellen Vermächtnisses eine wichtige Rolle.

Die jüngste Entdeckung eines monolithischen Sandstein-Shiv-Linga (einer Darstellung von Lord Shiva) aus dem 9. Jahrhundert erfolgte durch die Archaeological Survey of India (ASI) während des laufenden Restaurierungsprojekts am Cham Tempelkomplex, Teil einer UNESCO-Weltkulturerbestätte, in der Provinz Quang Nam in Vietnam. Das Projekt, das im Rahmen von Indiens Entwicklungspartnerschaft mit Vietnam erfolgt, obwohl es sich um die Restaurierung des gemeinsamen Kulturerbes handelt, wird durch das Außenministerium der indischen Regierung unterstützt.

An verschiedenen Kulturerbestätten außerhalb der nationalen Grenzen finden Restaurierungsarbeiten der ASI statt. Indien steht dabei in Südostasien an vorderster Front, sei es bei den Angkor Wat Tempeln in Kambodscha oder den My Son Denkmälern in Vietnam. Diese Initiativen sind den Richtlinien des Landes zuzuschreiben, intakte und gegenseitig profitable diplomatische Kontakte zu fördern und der Öffentlichkeit die zahlreichen Facetten des indischen Kultur- und Zivilisationsvermächtnisses zu präsentieren.

Prime Minister of India Narendra Modi unveiling a plaque signifying the contribution of India in the restoration of the Ananda Temple, in Bagan, Myanmar on September 6, 2017

Die Projekte, finanziert durch das Außenministerium, wobei die ASI die ausführende Behörde ist, bekräftigen die uralten und starken Verbindungen quer durch Südasien. Zu den Projekten im großen Maßstab zählen:

ANGKOR WAT, KAMBODSCHA
In alten indischen Schriften auch als Funan bekannt, erreichte diese Stadt ihren Zenit unter der Führung von Jayavarmana II. Die berühmte archäologische Stätte Angkor Wat basiert auf dem Vaishnavismus, Saivismus und Mahayana-Buddhismus und wurde von König Suryavaramana II. im 12. Jahrhundert erbaut. Sie besteht aus den wundervollen, Lord Shiva, Vishna und Brahma gewidmeten Tempeln. Das Außenministerium führte die Restaurierung mit der ASI und in Zusammenarbeit mit der kambodschanischen Regierung in großem Maßstab durch und unternahm enorme Anstrengungen, um die Schönheit dieser Tempel zu bewahren. In 1980 war Indien tatsächlich das erste Land, das auf den Appell Kambodschas an die Weltgemeinschaft reagierte, Angkor Wat – das Zentrum des Khmer-Königreichs über mehrere Jahrhunderte – zu retten. Das Team der ASI arbeitete mehrere Jahre an dem Komplex und restaurierte unter anderem die nördliche Einfassung eines Burggrabens, ein Tor, die großartige Samudra Manthana Galerie, die nördliche Bibliothek und den zentralen Turm des Angkor Wat Tempels.

TA PROHM TEMPEL, KAMBODSCHA
Nach Angkor Wat begann die ASI mit der Restaurierung des Ta Prohm Tempels in der Weltkulturerbestätte Angkor. Der Ta Prohm Tempel wurde von König Suryavaramana VII. erbaut und ist ein Zentrum der Lehre des Mahayana-Buddhismus. Der Tempel wurde mit großen Felsbrocken und Aufschüttungen blockiert, die entfernt werden mussten, um Zugang zu erhalten. Das Restaurierungsprojekt fand unter der fachkundigen Leitung der ASI und mit Genehmigung des International Coordination Committee und der Authority For The Protection And Management Of Angkor And The Region Of Siem Reap ( APSARA) statt.

ANANDA TEMPEL, MYANMAR
Der Ananda Tempel in Myanmar gilt als einer der schönsten, in dem die Lehre des Theravada-Buddhismus verbreitet wurde. Dieser elegante Tempel im Pagodenstil, erbaut durch König Kyansittha aus der Pagan-Dynastie, ist ein exquisites Beispiel der Mon-Architektur und enthält vier riesige Figuren von Lord Buddha. Die Wände zieren Bilder aus seinem frühen Leben, von Jatakas und mysteriösen Geschichten. Die ASI und das Außenministerium haben zusammen mit den örtlichen Behörden von Bagan die Aufgabe der Restaurierung übernommen.

PM Modi verewigt sich im Gästebuch des Ananda Tempels in Bagan während seines Besuchs in Myanmar im September 2017

VAT PHOU TEMPEL, LAOS
Indien pflegt enge Beziehungen zur Volksrepublik Laos. Die ASI hat das Projekt übernommen, den Vat Phou Tempel in Laos zu restaurieren. Dieser Tempel, der später in ein buddhistisches Zentrum umgewandelt wurde, geht auf das 11. bis 13. Jahrhundert zurück, ist Teil einer wichtigen Stadt des Khmer-Reichs und wurde Lord Shiva gewidmet.

MY SON TEMPEL, VIETNAM
Dieses einzigartige Monument und seine Nebenschreine – einer der berühmtesten Tempel, welcher der Bhadreswar-Form von Lord Shiva gewidmet ist – wurden zwischen dem 4. und 14. Jahrhundert von den Königen der Champa-Dynastie erbaut.

Die Archaeological Survey of India hat die Restaurierungsarbeiten an den Tempelgebäuden erfolgreich vorangetrieben. Zwischen den beiden Ländern und mit Unterstützung des Außenministeriums wurde ein MoU unterzeichnet. Derzeit werden drei berühmte Tempelgruppen innerhalb dieses Komplexes restauriert.

Der indische Präsident Ram Nath Kovind pflanzt einen jungen Baum am My Son Tempelkomplex während seines Besuchs in Vietnam im November 2018

NEPAL, INDONESIEN UND SRI LANKA
Die ASI ist aktiv in die Restaurierung des Pashupatinath Tempels in Nepal, des Borubudur Tempels in Indonesien und des Thirukuteeshwara Tempels in Sri Lanka involviert. Mit der fachkundigen Expertise der ASI werden diese Tempel mit äußerster Sorgfalt wieder in ihren früheren ruhmreichen Zustand versetzt.

Durch die Restaurierung dieser alten Bauwerke durch die ASI-Experten wird nicht nur die Geschichte bewahrt, sondern es werden auch die bilateralen Beziehungen unterstützt. Es zeigt sich, wie diese gegenseitige Befruchtung kulturell beeinflusster Glaubensrichtungen, Gebräuche und Rituale zu einem untrennbaren Bestandteil von Indiens Vision der Förderung von weltweitem Frieden und Wohlstand geworden ist. Die Ideologie des Vasudhaiva Kutumbakam (Die Welt ist eine Familie) scheint passend, da diese Restaurierungsprojekte dazu beigetragen haben, dass wir uns auf einer weltweiten Plattform versammeln, die mit der Zeit nur noch stärker wird.

Juhi Mirza

Juhi Mirza hat einen Master-Abschluss in Archäologie und schwärmt für alles Antike. Sie interessiert sich sehr für die Kulturen und Traditionen Indiens und der Welt und hat zahlreiche Reisen unternommen, um antike Ruinen und Kulturen zu dokumentieren
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