Innovationen

Der Weg des Lichts

Heft 05, 2019

Der Weg des Lichts

Ishita Goel |Autor

Heft 05, 2019


Im Zeitalter von Start-Ups werden gesellschaftliche Fragen, die die Entwicklung des ländlichen Indiens direkt betreffen, heute im ganzen Land von jungen Clean-Tech-Unternehmen gelöst

In einer kleinen Schule, abgelegen in Bihar, kündigt eine Glocke den Unterrichtsbeginn an. Während die Schüler in das Klassenzimmer strömen, sieht man, dass sie alte Dosen, zerbrochene Glasbehälter, Kabel jeder Art und kunterbunte Wertstoffe mitbringen. Nach der Mahnung des Lehrers zur Ruhe kommen sie zusammen und montieren ihre wiederverwendbaren Materialien wie beispielsweise Lego-Steine fachmännisch zusammen, um daraus Solarlampen zu bauen.

Diese Szene in einem entlegenen, nicht elektrifizierten Dorf im Bundesstaat Bihar erscheint fast unrealistisch. Und dennoch präsentieren die Kinder dem Lehrer stolz ihre Lampen und freuen sich darauf, sie mit nach Hause nehmen zu können. „Genau das ist unser Ziel bei LEDsafari Innovation: Solarenergie zu dezentralisieren und die Technologie in alle Ecken der Welt zu bringen, indem wir sie in der einfachsten Form als Blechdose mit Kabel umsetzen, was sogar Kinder montieren können“, erklärt Govina Upadhyay, Gründer & CEO des sozialen Clean-Tech-Start-Ups. „Den Namen haben wir aus Suaheli (was in Ostafrika gesprochen wird) entnommen – er bedeutet Weg des Lichts. Wir erklären den Menschen, wie sie ihre eigenen Lichtquellen schaffen können, sie erklären es anderen, und auf diese Weise wird die ganze Welt erleuchtet und gestärkt.“

Govinda Upadhyay bei einer Schulung im Dorf Madanpur, Bihar, zu selbst hergestellten Solarlampen

Licht auch in dunklen Winkeln

Upadhyay stammt aus Madanpur, einem kleinen Dorf im Distrikt Arah in Bihar, das nicht an das Stromnetz angeschlossen war, als er aufwuchs, und erkannte schon früh die Bedeutung von Energie. „Mir war klar, dass, wenn wir saubere Energie wollen, wir einen Bottom-Up-Ansatz wählen müssen, bei dem die Technologie demokratisiert werden muss. Auf diese Weise können wir auf der Dorfebene eine Veränderung bewirken“, meint der Experte für nachhaltige Energie, der im Jahr 2016 unter den Forbes 30 Personen unter 30 Jahren war.

Stolze Kinder posieren mit ihren Solarlampen, für die sie weggeworfene Alltagsmaterialien wie Flaschen und Glasgefäße verwenden

„Mit diesem Ziel gründete ich LEDsafari Innovation mit der mehrstufigen Mission, die Einheimischen im Verbrauch sauberer Energie zu schulen, somit Beschäftigung zu generieren und die Technologie zu nutzen, um den Klimawandel zu bekämpfen“, fügt Upadhyay hinzu.

Elektrizität für das Land

Bei den globalen Veränderungen hin zu einem reduzierten CO2-Fußabdruck steht Indien an vorderster Front und strebt bis 2022 das Ziel von 175 GW erneuerbarer Energien an, wie PM Narendra Modi beim Klimagipfel der Vereinten Nationen 2019 in New York erneut erklärte. Tata Power und Rockefeller Foundation investieren mit ihresgleichen in großem Stil in diesem wachsenden Markt und gaben bekannt, dass sie durch Einrichtung von 10.000 erneuerbaren Mikronetzen fast 5 Millionen Haushalte mit sauberer Energie versorgen wollen. In einem solchen Szenario wird die Rolle von LEDsafari Innovation bedeutsam.

Upadyay nach einer erfolgreichen Schulung in Kenia

„Das größte Problem mit der Effektivität von Mikronetzen oder anderen Solarsystemen in abgelegenen Gegenden ist die Überwachung, die sehr teuer und aufwändig ist“, meint Upadhyay. „Es ist unbedingt notwendig, diese Netze sofort mit künstlichen Intelligenz- und IoT- (Internet of Things)-Lösungen auszustatten, damit die Lebensspanne von Solarsystemen erhöht werden kann.“ Zu diesem Zweck hat LEDsafari ein KI-fähiges Hardware-Gerät entwickelt: den HelioHealth-Sensor, eine kosteneffiziente Lösung, die hilft, Solardächer und Mini-/Mikronetze zu überwachen, welche für die Versorgung mit sauberer Energie verantwortlich sind. Er verfolgt die Leistung der Solarpanels, sendet remote Berichte an Wartungsdienstanbieter; analysiert die Daten und gibt Empfehlungen ab, wann Korrekturmaßnahmen notwendig sind, was die Leistung um 20 Prozent verbessert.

Arbeit in Flüchtlingscamps

Upadhyays Arbeit führt ihn in viele Kriegs- und Flüchtlingsgebiete in Afrika und Südamerika. „Nachts ist es für Frauen und Kinder ziemlich gefährlich, ohne Licht unterwegs zu sein. Sie brauchen wirklich bezahlbare Lösungen. Wenn man ihnen beibringt, diese selbst zu bauen, sieht man sofort die Veränderung. Sie fühlen sich stärker!“

Entstehung von Jobs

LEDsafari Innovation schult die Jugend vor Ort aktiv, um Mikronetze und Solarpanels effizient zu warten. „Die Einheimischen sind die wichtigsten Nutzer unserer Technologie und können als Mikrounternehmer ausgebildet werden, um den Elektrifizierungsprozess nachhaltig zu unterstützen. Zuallererst suchen wir nach Standorten, an denen es wenig Zugang zu sauberer Energie und wenig Jobs gibt.

Eine Solarleuchte aus einer alten Plastikflasche in einem Flüchtlingscamp in Ruanda

Wir schulen die Menschen darin, wie die Technologie verwendet werden kann, um ihren Lebensstandard zu verbessern. Dies kann bedeuten, dass wir ihnen beibringen, wie sie ein Batteriesystem entwickeln, oder auch, dass sie lernen, wie Solarenergie in Solarpanels, Glühbirnen, Lampen etc. eingesetzt werden kann. Auf diese Weise helfen wir, die wirtschaftlichen Aktivitäten in der Gegend aufzubauen.“

Mit einem vielseitigen Team aus Mitarbeitern aus aller Welt, die die Technologie für eine grünere Zukunft einsetzen wollen, ebnet LEDsafari Innovation den Weg für integrierte und umfassende Lösungen, die zukünftigen Generationen die Chance geben, die Effekte des Klimawandels zu bekämpfen.

Ishita Goel

Ishita Goel ist Journalistin aus Neu Delhi. Nach kurzer Tätigkeit für den Indian Express schreibt sie nun über das indische Kulturerbe und aktuelle Angelegenheiten
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